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  • Eva Scharrer 2016

    Komprimierte Landschaft

    „Die Landschaft ist ein Konstrukt“ lautet die Grundregel, die Lucius Burkhardt in seinem Aufsatz „Warum ist Landschaft schön?“ aufstellt. Der Aufsatz erschien erstmals 1979 im Magazin der Basler Zeitung und ging der Gründung der Spaziergangswissenschaft voraus. Weiter heisst es darin: „Wenn sich in unserem Kopfe eine Landschaft aufbaut, so bedient sich unser Kopf einer Palette von in der Umwelt vorgefundenen Erscheinungen: Farben, Strukturen, erkennbaren natürlichen Zusammenhängen und Zeichen menschlicher Eingriffe“. Highslide JS

    Flimsetüde 11

    2012 - 2015, Poster, 90.5 x 128 cm Repro: Serge Hasenböhler

    Eine solche Konstruktion von Landschaft, in der sich Wahrnehmung und Empfindung durchdringen, scheint Markus Schwander in seinen Collagen der Serie „Balades de Bâle“ bildlich nachzuvollziehen. Einzelne, auf Spaziergängen aufgenommene Fotografien wurden entwickelt, zerschnitten und wieder neu zusammengesetzt. So entstanden Stimmungsbilder oder mentale Landkarten, die das Aufgenommene komprimieren. Manchmal erinnern die Konstrukte an kaleidoskopische Formationen, oder an die verzweigten Gänge eines Tierbaus. Highslide JS

    Balade de Bâle No.28

    2016, Pigmentdruck auf Büttenpapier, 52 x 50 cm (Papiermass), Repro: Markus Schwander
    Natürlich Gewachsenes und künstlich Gebautes verwächst zu komplexen Strukturen, die organische oder kristalline Formen annehmen, Ein- und Ausblicke in neue Bildräume suggerieren. Manchmal verschwimmen die Übergänge, dann wieder dominieren Leerstellen oder scharfe Brüche, wo „Welten aufeinander wuchten“, wie der Künstler selbst es ausdrückt. Die konstruierte Landschaft ist geprägt von Baustellen, Gittern und Treppen, die im Nirgendwo enden; Graffiti lässt sich als Verweis auf Malerei oder urbane (Sub-)Kultur lesen, Betonmauern mit Stacheldraht stehen für eine brutalistische Architektur der Kontrolle. Die analog hergestellten Collagen wurden erneut abfotografiert und auf Büttenpapier gedruckt, wodurch die separaten Elemente wieder zusammenwachsen und neue Einheiten bilden. Highslide JS

    Balade de Bâle No.10

    2016, Pigmentdruck auf Büttenpapier, 62.5 x 85.4 cm (Papiermass), Repro: Markus Schwander

    Zwei weitere Collage-Serien, „Flimsetüden“ und „Steine im Lager“ sind in schwarz-weiss gehalten und beschäftigen sich mit dem Phänomen der Gesteinslawine – auch hier spielt das „Aufeinanderwuchten“ von Massen als formgebendes Moment eine entscheidende Rolle. Die „Flimsetüden“ untersuchen am Beispiel des Bergbruchgebiets bei Flims eine Bewegung in Erstarrung. Der Fundus an collagierten Fotografien, mit denen Schwander ursprünglich für eine größere Wandarbeit im Kunstmuseum Chur anlässlich der Gruppenausstellung „Präparat Bergsturz – Konservierte Bewegung“ (2012) experimentierte, bildete ein reiches Materiallager für eine weitere Bearbeitung des Themas. Fragmentierte Fotografien von Kieseln, Geröll, Felsspalten, Gesteinsmasse und Sediment wurden zu immer neuen Formationen zusammengesetzt, aus denen wiederum neue Landschaften und halluzinogene Bildräume entstehen. Dimensionen, Volumen und Perspektiven werden aufgehoben, Schärfe und Unschärfe oszillieren, bis das Auge darin die Orientierung verliert. Highslide JS

    Flimsetüde 20

    2012 - 2015, Print, 50 x 40 cm (Papiermass) Repro: Serge Hasenböhler

    Die kleinformatigere Serie „Steine im Lager“ entstand in Auseinandersetzung mit der Publikation zu „Präparat Bergsturz“ und wurde direkt am Fotokopierer collagiert. Vor schwarzem Hintergrund treffen die Volumen und Strukturen echter Gesteinsfragmente auf ihre bereits sezierten Abbildungen, wobei erneut das Reproduktionsverfahren selbst als manipulativ gestalterisches Mittel thematisiert wird. Highslide JS

    Steine im Lager 28

    2013, Collage, 21.4 x 29.5 cm, Repro: Markus Schwander
    Highslide JS

    Steine im Lager 08

    2013, Collage, 20.5 x 29 cm, Repro: Markus Schwander