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  • Claudine Metzger 2004

    Cézanne à Winterthur

    Cézanne à Winterthur #01, 2003, Paustechnik mit Kohlepapier, 95 x 70 cm
signiert und bezeichnet unten rechts: "M. Schwander 2003" Highslide JS

    Cézanne à Winterthur #01

    2004, Paustechnik mit Kohlepapier, 95 x 70 cm, Foto: Jürg Fausch, Schaffhausen

    
Cézanne à Winterthur #04, 2003, Paustechnik mit Kohlepapier, 95 x 70 cm
signiert und bezeichnet Mitte: "M. Schwander 2003" Highslide JS

    Cézanne à Winterthur #04

    2004, Paustechnik mit Kohlepapier, 95 x 70 cm, Foto: Jürg Fausch, Schaffhausen

    
Cézanne à Winterthur #11, 2003, Paustechnik mit Kohlepapier, 95 x 70 cm
signiert und bezeichnet unten mitte: "M. Schwander 2003" Highslide JS

    Cézanne à Winterthur #11

    2004, Paustechnik mit Kohlepapier, 95 x 70 cm, Foto: Jürg Fausch, Schaffhausen

    
Cézanne à Winterthur #54, 2004, Paustechnik mit Kohlepapier, 95 x 70 cm
signiert und bezeichnet oben rechts: "Markus Schwander 2004" Highslide JS

    Cézanne à Winterthur #54

    2004, Paustechnik mit Kohlepapier, 95 x 70 cm, Foto: Jürg Fausch, Schaffhausen

    

Cézanne à Winterthur, 2004, Radierung, 17,4 x 20,3 cm, Auflage e.a. II/V Highslide JS

    Cézanne à Winterthur

    2004, Radierung, Foto: Jürg Fausch, Schaffhausen

    
Cézanne à Winterthur, 2004, Radierung, 20,7 x 28,1 cm, Auflage e.a. II/V Highslide JS

    Cézanne à Winterthur

    2004, Radierung, Foto: Jürg Fausch, Schaffhausen

    
Cézanne à Winterthur, 2004, Radierung, 20,7 x 28,8 cm, Auflage e.a. II/V Highslide JS

    Cézanne à Winterthur

    2004, Radierung, Foto: Jürg Fausch, Schaffhausen

    
Cézanne à Winterthur, 2004, Radierung, 20,8 x 28,8 cm, Auflage e.a. II/V Highslide JS

    Cézanne à Winterthur

    2004, Radierung, Foto: Jürg Fausch, Schaffhausen

    Jeweils unten links bezeichnet: „e.a. II/V“ und unten rechts signiert: „Schwander 2004“
    
Erworben 2004, Tony Wuethrich Galerie, Basel
    
Inv. C 5682-5685 und C 5686-5689

    Früchtestillleben in üppigen Rahmen sind in einer Art Petersburger-Hängung auf dem Blatt angeordnet. In verschiedenen Grössen hängen sie meist sehr dicht neben- und übereinander oder überlagern sich sogar gegenseitig. Oft sind die Bilder nicht vollständig zu sehen, sondern werden vom Blattrand beschnitten, so dass manchmal nur ein Teil des Rahmens sichtbar ist. Highslide JS

    Cézanne à Winterthur #01

    2004, Paustechnik mit Kohlepapier, 95 x 70 cm, Foto: Jürg Fausch, Schaffhausen

    Die vier Zeichnungen von Markus Schwander mit dem Titel „Cézanne à Winterthur“ sind Teil einer 60 Arbeiten umfassenden Werkgruppe, die seit 2003 entsteht. Ausgangspunkt war die Auseinandersetzung mit der Gattung des Stilllebens, welche ihren Anfang in der Sammlung Oskar Reinhart im Römerholz Winterthur nahm, worauf auch der Titel der Serie anspielt. Wie die in der Zeichnung jeweils aufgeführten Namen zeigen, stammen die Vorbilder nicht nur von Cézanne, sondern auch von anderen holländischen und französischen Künstlern des 18. bis 20. Jahrhunderts wie beispielsweise Auguste Renoir, Gustave Courbet, Henry Matisse, Louise Moillon, Frans Synders oder Balthasar van der Ast. Es sind alles Bilder, die durch Ankäufe ihr Herkunftsland verliessen und sich mittlerweile in Museen in der Schweiz oder Deutschland befinden. Dort spürte Markus Schwander sie auf und fotografierte sie mit dem Rahmen.

    Diese Fotografien bilden das Ausgangsmaterial, das Markus Schwander nach einem multimedialen Prozess der Umformung in das Medium der Zeichnung überträgt. Die Fotografien werden dabei zuerst am Computer mit der sogenannten „Stempelfunktion“ des Softwareprogramms Photoshop bearbeitet, welche die Fotos schwarz-weiss umsetzt und den abgebildeten Gegenständen klare Umrisse verleiht. Diese neu gewonnenen Bilder werden ausgedruckt und in einem weiteren Schritt am Fotokopierer verkleinert bzw. vergrössert und mehrfach kopiert, so dass von jedem Motiv mehrere Varianten in unterschiedlichen Grössen zur Verfügung stehen. Diese Kopien paust Markus Schwander schliesslich mit Kohlepapier auf das Zeichenpapier.

    Die mehrfach vermittelte Umsetzung von Malerei in Zeichnung hat vielfältige Folgen. Mit der Umwandlung des fotografischen Bildes in ein Stempelbild und dem anschliessenden Durchpausen findet ein Abstraktionsprozess statt, der eine Vereinheitlichung zur Folge hat, bei der die Stillleben ihre Farbe verlieren und zu Grafiken werden, die alleine vom Hell-Dunkel-Kontrast und der Art der Linienführung leben. Die geschlossenen, glänzenden Oberflächen der Ölbilder werden in ein Gewirr von Strichen aufgelöst. Dasselbe geschieht mit den dargestellten Objekten. Während sie im Gemälde farblich klar abgegrenzte Formen aufweisen, unterscheiden sie sich in der Zeichnung nur durch die Intensität der Schraffur und ihre Konturen tendieren dazu, im Wechsel von hell und dunkel beinahe zu verschwinden. Highslide JS

    Cézanne à Winterthur #04

    2004, Paustechnik mit Kohlepapier, 95 x 70 cm, Foto: Jürg Fausch, Schaffhausen
    Die greifbare Stofflichkeit der Früchte, welche im Original über die Farbe, die malerische Textur und realistische Details wie beispielsweise Druck- und Faulstellen oder Wurmlöcher erreicht wird, geht in der Zeichnung verloren. Sie scheint sich auf die stark profilierten und mit allerlei Ornament verzierten Rahmen der Gemälde zu verlagern, welche im Wechsel von hell und dunkel unglaublich plastisch wirken. Indem Markus Schwander Bild und Rahmen in der selben Technik wiedergibt, verbinden sich diese beiden Bildteile zu einer Einheit mit unterschiedlichen ornamentalen Strukturen. Der Rahmen, dem der Betrachter in Realität keine grosse Beachtung schenkt, wird Teil des Bildes.

    
Mit dieser Technik des Indirekten hat Markus Schwander ein Verfahren gefunden, das erlaubt, die Möglichkeiten des Mediums der Zeichnung zu prüfen und zu erweitern. Ihn interessiert dabei die Frage, wie eine Fläche in Zeichnung übertragen werden kann und welche Folgen sich daraus für das übertragene Bild ergeben. Gleichzeitig wird die Funktion der Zeichnung als Notat oder Erinnerungsbild aktualisiert. Das mehrfache Kopieren, Kompilieren und Durchpausen erzeugt nicht nur Bilder, die sich durch Überlappungen auszeichnen. Immer ist auch das Phänomen des Verbergens, des Löschens und Weglassens im Spiel. In diesem Sinne stellen diese Zeichnungen ein Äquivalent für die Funktionsweise unseres Gedächtnis dar, das nach gängiger Vorstellung dauerhafte Erinnerung nur um den Preis partieller Auslöschung haben kann. Highslide JS

    Cézanne à Winterthur #11

    2004, Paustechnik mit Kohlepapier, 95 x 70 cm, Foto: Jürg Fausch, Schaffhausen
    Das Kohlepapier, das die Fotografien bzw. Fotokopien wie auch den Abrieb und die Überlagerungen trägt, übernimmt die Rolle des Speichers und wird so zu einer Metapher des menschlichen Unterbewusstsein.

    Markus Schwander hat mit der Serie „Cézanne à Winterthur“ nicht nur Bilder aus weit auseinander liegenden Museen zu einer neuen Form von Stillleben aus Gemälden, zu einem musée imaginaire vereinigt, sondern auch eine Technik gefunden, welche die Prozesse des Erinnerns in einem mehrstufigen Verfahren ins Bild setzt. Das Medium der Zeichnung wird über die Verwendung des Kohlepapiers zu einem Sinnbild des menschlichen Gedächtnis. Highslide JS

    Cézanne à Winterthur #54

    2004, Paustechnik mit Kohlepapier, 95 x 70 cm, Foto: Jürg Fausch, Schaffhausen

    Radierungen

    Die vier Radierungen, welche im Unterschied zu den Zeichnungen immer nur ein Stillleben zeigen, nehmen in der Werkgruppe „Cézanne à Winterthur“ eine Sonderstellung ein. In ihnen ist das multimediale Durchpause-Verfahren weitergeführt und in die Drucktechnik umgesetzt. Alle vier Blätter sind mit zwei Druckplatten entstanden. Anstatt direkt auf Papier wird die Vorlage zuerst auf die beiden Druckplatten gepaust. Diese werden anschliessend unterschiedlich eingefärbt. Erst danach wird das Bild gedruckt.

    Die Zeichnungen und die Radierungen unterscheiden sich jedoch nicht nur in ihrer Entstehung, sondern auch in ihrer Wirkung. Während die Zeichnungen durch Überlagerungen die Vorlagen teilweise bis zur Unkenntlichkeit verändern und durch das Spiel von deutlicher bzw. schwächer durchgepausten Bildern, klare und blasse Erinnerungsfetzen miteinander zu verweben scheinen, wirken die Radierungen wie abstrakte Schattenbilder identifizierbarer Vorbilder. Indem die Radierungen nur ein Gemälde präsentieren, rücken die Fragen nach den Möglichkeiten der Zeichnung und der Übertragung von Malerei in Zeichnung wieder mehr ins Zentrum.
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    Cézanne à Winterthur

    2004, Radierung, Foto: Jürg Fausch, Schaffhausen
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    Cézanne à Winterthur

    2004, Radierung, Foto: Jürg Fausch, Schaffhausen
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    Cézanne à Winterthur

    2004, Radierung, Foto: Jürg Fausch, Schaffhausen
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    Cézanne à Winterthur

    2004, Radierung, Foto: Jürg Fausch, Schaffhausen

    Literatur:
    
Simon Baur, Ein Seitensprung statt eines Nachwortes, in: Tony Wuethrich Galerie, Basel (Hrsg.), Abdruck – Zu den Objekten und Zeichnungen von Markus Schwander, Frankfurt am Main 2004, S. 135.
    
Claudine Metzger, Markus Schwander, Dogs and Flowers, in: Sturzenegger-Stiftung im Museum zu Allerheiligen Schaffhausen, Jahresbericht / Erwerbungen 2003, Schaffhausen 2003, S. 142-144.
    
Sibylle Omlin, Wunderblock, in: Tony Wuethrich Galerie, Basel (Hrsg.), Abdruck – Zu den Objekten und Zeichnungen von Markus Schwander, Frankfurt am Main 2004, S. 101-105.

    Sturzenegger-Stiftung, Jahresbericht 2004