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  • Eva Scharrer 2007

    Spielleben

    Die Capriccios von Markus Schwander, die in üppigen Ensembles in der Tony Wüthrich Galerie versammelt sind, könnte man sich wunderbar auch in kleinen Grotti installiert vorstellen – jenen künstlich angelegten Höhlen, die in den Gärten und Parkanlagen des 17. Jahrhunderts als Rückzugsorte beim Lustwandeln dienten. Es sind phantastisch-mondäne Gefilde, in denen die Ästhetik der Verspieltheit regiert, verschiedenste Elemente bizarre Formationen bilden, das Material genussvoll tropft und schwelgt, und alles gespickt ist mit Doppeldeutigkeiten und sinnlichen Anspielungen. Highslide JS

    Capriccio #25

    2007, Endurit, Lack, Kunststoffblume, Höhe: 40 cm. Foto: Michael Fontana, Basel

    Genauso sind auch die neuen Gipsskulpturen und Objekte von Markus Schwander: kleine Launen und hintersinnige Scherze, lustvoll und ironisch, und äusserst anti-minimalistisch. In diesen Kleinplastiken oder eben plastischen Capriccios, bestehend aus Vasen und aufgepfropften Früchten, wird das Genre Stillleben durchzitiert und immer wieder ironisch gebrochen, von Cezannes Äpfeln auf weißer Tischdecke bis hin zu wilden Bananenorgien in Gelb, Rot, oder Metallic. Immer wieder täuscht uns der Künstler über das Verhältnis von Echtem und Falschen: Die Gipsskulpturen sind Abgüsse von Gegenständen, teils weiß belassen, teils bunt besprüht, in denen Schwander das Thema des Abdrucks, bzw. Abguss konsequent weiterverfolgt. Die Gipsabgüsse werden jedoch immer wieder mit „realen“ Gegenständen, mit naturalistisch imitierten Plastikblumen oder -obst kombiniert, wodurch das Verhältnis von Natur und Imitation, echt und falsch, Original und Abguss erneut spielerisch gebrochen wird. Highslide JS

    Capriccio #25

    2007, Endurit, Lack, Kunststoffblume, Höhe: 40 cm. Foto: Michael Fontana, Basel
    Mal sind die Früchte, etwa großporige Orangen und sich keck aufrichtende Bananen, mit schwarz glänzender Farbe überzogen, was sie zu seltsam martialischen Fetischen werden lässt, mal gibt es Ensembles ganz in Rot, mit einem funkelnden Kristall, dann wieder rokoko-artige Wandobjekte aus Plastikblumen und Glitter. Und immer wieder quillt die weiße Gipsmasse wie halbflüssige Sahne verführerisch zwischen den bizarren Kombinationen hervor. Highslide JS

    Capriccio #33

    2007, Endurit, Lack, Kristall, Höhe: 30 cm. Foto: Michael Fontana, Basel
    Man kann sich gut vorstellen, dass die Herstellung dieser Objekte Spaß macht und lustvoll ist – fast werden kindliche Gelüste wie das Spielen mit Nahrungsmitteln geweckt. Das unmittelbare Berühren des Materials mit den Händen ist definitiv ein wichtiger Aspekt in Schwanders Arbeit.

    Die plastischen Capriccios werden ergänzt von einer Serie von Blaupausen, in denen Markus Schwander jeweils zwei fotografische Portraits von sich selbst in verschiedenen Lebensphasen kombiniert. Highslide JS

    Smoking Guns #39

    2006, Paustechnik mit Kohlepapier. Foto: Michael Fontana, Basel
    Ähnlich der vorausgegangenen Serie „Cézanne a Winterthur“ fand auch hier eine Umkehrung von Positiv und Negativ statt, eine Transformation von einem Medium in ein anderes (von Malerei bzw. fotografischem Abbild in Zeichnung) sowie die Zusammenführung und Überlagerung verschiedener Motive, die in der Realität in dieser Form wohl nicht zusammen gefunden hätten.

    www.regioartline.org 27.10.07