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  • Claudia Pantellini und Markus Schwander 2012

    Der Dreh

    Das folgende Gespräch fand anlässlich der Eröffnung der Kunst und Bau Intervention «Der Dreh» im neuen Rechenzentrum OIZ Albis in Zürich zwischen Claudia Pantellini vom Hochbauamt und Markus Schwandet statt. «Der Dreh» ist eine 18teilig Installation aus Objekten aus lackiertem Polymergips.

    Claudia Pantellini:
    Die Kaugummis haben einen grossen Stellenwert in deinem skulpturalen Schaffen - über Jahre hinweg. Was fasziniert dich so an Kaugummis, dass du dich ihnen immer wieder widmest? Highslide JS

    Der Dreh

    2012, Acrystal lackiert, ca. 180 x 160 x 140 cm, Foto: Georg Aerni

    Markus Schwander:
    Ja, ich arbeite seit einigen Jahren unter anderem mit gekauten Kaugummis als Vorlage. Beim Kauen entstehen hochkomplexe Formen, die sich erst zeigen, wenn der Kaugummi ausgespuckt ist. Bewegung und Druck haben dann eine Form geschaffen. Ich habe viele Kaugummis aufbewahrt, sie sind eine Art Skizzenbuch. Wenn ich einen auswähle und damit arbeite, untersuche ich seine Form. In dem Prozess wird er vergrössert. Die Dimension der entstehenden Skulptur im Verhältnis zum menschlichen Körper und zur Umgebung spielt dabei eine wesentliche Rolle. Grössenverhältnisse sind ein grundlegendes Thema der Skulptur. Im Unterschied zu einem Bild abstrahieren wir weniger, wir vergleichen das skulpturale Gegenüber direkt mit unserer eigenen Masse. Die dreidimensionale Skalierung, egal ob Vergrösserung oder Verkleinerung, schafft ein Modell und erlaubt so eine andere Sichtweise auf den Gegenstand.

    Claudia Pantellini:
    Was galt es bei der Arbeit für das OIZ besonders zu berücksichtigen - oder sind Kaugummis gleich Kaugummis? Highslide JS

    Der Dreh

    2012, Acrystal lackiert, ca. 160 x 180 x 140 cm, Foto: Georg Aerni

    Markus Schwander:
    Künstlerische Arbeit ist ja nicht Problemlösung. Eher geht es darum, zu entdecken, welches Potential ein Raum hat. Wo kann ein Erlebnis entstehen? Die Situation mit den zwei Stockwerken, in denen das Volumen des Raumes wiederholt wird, getrennt, aber durch den Lichthof visuell miteinander verbunden, bietet mir die Möglichkeit für ein Spiel mit der Wahrnehmung dreidimensionaler Formen. Ausgehend von der immer gleichen Vorlage, einem einzelnen gekauten Kaugummi, entstehen verschiedene voll – und halbplastische Skulpturen, die, wenn sie gedreht werden, schwer als gleiche Formen identifiziert werden können. Es ist eine Art Memory, bei dem nicht die Bilder aufgedeckt werden, sondern der Betrachter sich zur Auflösung umdrehen und umhergehen muss.

    Claudia Pantellini:
    Wo liegen die speziellen Herausforderungen bei einer Kunst-und-Bau-Intervention? Highslide JS

    Der Dreh

    2012, Acrystal lackiert, Reliefs in verschiedenen Grössen, Foto: Georg Aerni

    Markus Schwander:
    Vielleicht ist die grösste Herausforderung, sich nicht irritieren zu lassen durch die Ansprüche und Erwartungen von den unterschiedlichsten Seiten. Denn am Schluss soll etwas entstehen, das erstaunt und anregt, das sich einem Ort nicht anbiedert, sondern auch fremd sein kann.Mein Anspruch an mich ist, dass ich eine Werkskonstellation entwerfe, die möglichst lange Zeit interessant bleibt. Ich möchte die Möglichkeiten bieten, dass die Nutzerinnen auch beim elften Vorbeigehen noch angeregt werden, dass die Skulpturen in unterschiedlichen Lichtverhältnissen, aber auch mit verschiedenen persönlichen emotionalen Stimmungen wahrgenommen werden können. Denn als grösste Chance von Kunst-und-Bau-Interventionen betrachte ich die Dauer ihrer Präsenz, und dass deswegen die Begegnung mit dem Kunstwerk über Jahre wiederholt werden kann. Highslide JS

    Der Dreh

    2012, Acrystal lackiert, einzelnes Relief ca. 100 x 80 x 18 cm, Foto: Markus Schwander